Sonntag, 8. Mai 2011

Rezension "Ich sehe dich"

Titel: Ich sehe dich
Autor: Janet Clark
Verlag: Heyne
Seitenzahl:432
ISBN:  978-3453435926
Einbindungsart: Taschenbuch
Preis: 8,99 €
 
Scheinbar hilflose Frauen, die ihren Männern ausgeliefert sind, eine Gruppenleiterin mit einem dunklen Geheimnis und ein Mörder, der die gewaltätigen Männer zur Rechenschaft zieht.
 
Zum Inhalt:
"Ich sehe dich" erzählt die Geschichten von einigen Frauen, die unter häuslicher Gewalt leiden. Vorallem aber geht es um die zwei Schwestern Tini  und Sara. Als Tini eines Tages des Mordes an ihrem Mann beschuldigt wird, kann Sara das nicht glauben. Ausgerechnet Tini, die doch eine glückliche Ehe führt. Doch Tinis Ehe war alles andere als glücklich, ihr Mann war gewaltätig und hat seine Wut regelmäßig an Tini ausgelassen. Als Sara das erfährt ist sie schockiert, doch trotz allem ist sie von Tinis Unschuld überzeugt und beginnt auf eigenen Faust Beweise dafür zu suchen. Als Sara auf die Selbsthilfegruppe von Tini stößt scheint eine erste Spur gefunden, denn plötzlich taucht noch ein Toter auf, der ebenfalls der gewaltätige Mann einer Frau der Selbsthilfegruppe ist. Irgendjemand scheint sich an den Männern rächen zu wollen. Mit der Hilfe von Tinis Anwalt versucht Sara den wahren Mörder zu finden und so ihre Schwester zu entlasten. Doch Sara merkt nicht, dass der Mörder sie längst bemerkt hat und auch sie auf seiner Liste steht....

Meine Meinung:
Das Äußere:
Das Cover passt wirklich gut zu der Geschichte, vorallem seit ich in der Heyne-Vorschau entdeckt habe, dass zunächst ein ganz anderes Cover geplant war. Dieses hier passt viel besser als das ursprüngliche. Die Frau, die entsetzt die Augen aufreißt, als würde sie dem Tod persönlich in die Augen schauen, ist wirklich sehr stimmig, vorallem nachdem man die Geschichte gelesen hat. Auch der Titel passt ziemlich gut, da der Satz "Ich sehe dich" in der Geschichte doch eine etwas größere Rolle einnimmt.

Das Innere:
Puh, ein sehr gewagtes Thema, ein heftiges Thema. Bisher habe ich noch kein Buch über häusliche Gewalt gelesen und war gespannt, was mich erwartet. Das Thema ist ja doch sehr heikel und man muss es schon mit einer gewissen Sensibilität anpacken. Ich wurde nicht enttäuscht. Die Autorin schafft es, einem das Thema häusliche Gewalt auf verständliche Weise nahe zu bringen und mit leisen Tönen die Hilflosgkeit von Frauen in solchen Situationen zu vermitteln. Ich persönlich habe mir schon oft überlegt, warum Frauen bei ihren prügelnden Männern bleiben und kann das durch diesen Thriller etwas besser verstehene. Die Männern haben teilweise eine unglaublich manipulierende Art und geben den Frauen das Gefühl, dass sie sich glücklich schätzen können, dass sich überhaupt wer für sie interessiert. Dass die Autorin hier (wie sie auf Lovelybooks gesagt hat) teilweise wahre Geschichten von Menschen verarbeitet hat, merkt man, da sie doch sehr authentisch sind.

Die Szenen, in denen die häusliche Gewalt näher beschrieben ist, in denen man praktisch live dabei ist, sind sehr harter Tobak. Nicht selten musste ich schwer schlucken, um weiterlesen zu können. Doch gerade solche Szenen regen auch zum Nachdenken an. Man muss vielleicht versuchen, diese Frauen besser zu verstehen und nicht nur den Kopf über sie schütteln und sie ihrem Schicksal überlassen. 

Abgesehen von diesem harten Thema, dass Janet Clark wie schon erwähnt, wirklich gut und sensibel umgesetzt hat, ist hier ein wirklich guter und spannender Thriller entstanden, der mich wahnsinnig gepackt und nicht mehr losgelassen hat. Das Buch habe ich in einem Rutsch durchgelesen, da die Seiten nur so geflogen sind.
 
Toll fand ich die kursiv gedruckten Passagen, die aus der Sicht eines Mannes geschrieben sind, der einen wahnsinnigen Hass auf seine Frau hat, die ihn verlassen hat. Es wird sehr deutlich, dass der Mann nicht ganz bei Sinnen und sehr gefährlich ist. Unterschiedliche Perspektiven vorallem in einem Krimi/Thriller finde ich immer toll, da sie die Geschichte von allen Seiten beleuchten und man so ein besseres Verständnis und einen besseren Überblick hat.
 
 Teilweise war ich so in der Geschichte drin, dass ich die Angst und Gefahr der Protagonisten selbst spüren konnte. Mich hatte ein einzigartiger Sog ergriffen, der mich nicht mehr losgelassen hat.

Am Anfang hatte ich noch etwas Schwierigkeiten in das Buch hineinzukommen, was auch an den vielen Handlungssträngen die gleichzeitig ablaufen, vorallem aber an den vielen verschiedenen Personen lag. Ich musste zu Beginn häufig zurückblättern um nachzuschauen, wer jetzt nochmal wer war. Das war etwas mühsam, hat sich aber zum Glück nach einiger Zeit, in der ich dann richtig in der Geschichte drin war gelegt.

Achtung Spoiler:

Etwas schade fand ich auch, dass auch Sara das Opfer häuslicher Gewalt zu sein scheint, zwar nicht der körperlichen, sondern der verbalen, aber das war mir dann irgendwie zu viel des Guten. Es ist durchaus möglich, dass die Autorin hierdurch einfach die unterschiedlichen Arten von häuslicher Gewalt darstellen wollte, aber ich hätte mir einfach gewünscht, dass Sara, obwohl sie eine schlechte Ehe führt, doch einfach nur die "normalen" Eheprobleme hat. 
 
Spoiler Ende

Ein bisschen enttäuscht war ich von der Auflösung, wer der Mörder ist, ich hätte mir doch etwas überraschenderes gewünscht, auch wenn ich das ganze Buch über nicht wirklich draufgekommen bin, wer es sein könnte, da die Autorin es immer wieder gut schafft, falsche Fährten zu legen. Trotzdem habe ich mir, nachdem ich fertig war gewünscht, dass der Täter jemand ist, der nicht so offensichtlich ist.

Janet Clark hat einen gut lesbaren Schreibstil, der es leicht macht, das Buch in einem Rutsch durchzulesen!

Fazit:
Ein toller & spannender Thriller, mit einem heiklen Thema, das aber gut und sensibel umgesetzt wurde.

Ich bedanke mich ganz herzlich bei lovelybooks und Heyne, für die Bereitstellung des Testleseexemplars.


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