Dienstag, 1. November 2011

Rezension "Die letzte Flucht"

Titel: Die letzte Flucht
Autor: Wolfgang Schorlau
Verlag: Kiepenheuer&Witsch
Seitenzahl: 351
ISBN: 978-3462042795
Einbindungsart: Taschenbuch
Preis: 8,99 €

Zum Inhalt:
Ein kleines Mädchen ist tot. Unter Verdacht steht der renommierte Arzt Doktor Voß. Die Beweise scheinen eindeutig und Voß als Täter festzustehen. Doch sein Anwalt und guter Freund will unbedingt seine Unschuld beweisen und engagiert den Privatermittler Georg Dengler. Dieser soll ihm bei der Beweissuche zur Seite stehen und helfen Voß' Unschuld zu beweisen. Doch das gestaltet sich angesichts der scheinbar wasserdichten Beweise schier unmöglich. Als zweiter Erzählstrang wird die Geschichte von Assmuss erzählt, der ein hochrangiger Manager eines Pharmakonzerns ist. Er wird entführt und über seine Arbeitsweise ausgefragt. Doch die Frage von wem und aus welchem Grund bleibt zunächst offen. Kurzzeitig kommt auch noch Denglers Sohn mit ins Spiel, der sich aktiv gegen Stuttgart 21 einsetzt und am so genannten "Schwarzen Donnerstag" mit im Stuttgarter Schlossgarten ist. Doch Denglers Hauptaufgabe bleibt die Beweissuche für Voß' Unschuld und dabei werden ihm auch von außen große Steine in den Weg gelegt.

Meine Meinung:
Abgesehen von einem Kurzkrimi ist "Die letzte Flucht" das erste Buch, das ich von Wolfgang Schorlau gelesen habe. Ich hatte zunächst etwas Schwierigkeiten mich in das Buch einzufinden, aber als es mich dann gepackt hatte, konnte ich kaum mehr zu lesen aufhören.

Zunächst einmal sehr gut gefallen, haben mir die recht kurzen Kapitel. Sie ermöglichen es, dass man auch einfach nur kurz in das Buch hineinlesen kann und immer eine geeignete Stelle zum Unterbrechen findet.

Die einzelnen Handlungsstränge finde ich auch ganz klasse und natürlich schafft es Schorlau immer wieder wahnsinnige Spannung aufzubauen, wenn er einen Handlungsstrang gerade an der Stelle unterbricht, an der man unbedingt weiterlesen möchte.

Für mich war das Thema der Pharmaindustrie ein ganz neues und ich finde Schorlau schafft hier die perfekte Mischung zwischen Aufklärung und Spannung. Was man hier als Leser erfährt ist wahnsinnig schockierend und eigentlich möchte ich nie wieder krank werden, wenn ich so etwas weiß. Für einige scheint dieses Thema ja schon ein sehr bekanntes zu sein, aber für mich war das wirklich grundlegend neues Land und somit habe ich durch "Die letzte Flucht" auch viel dazu gelernt und erfahren. Im Nachwort beschreibt Schorlau ganz genau wie er auf die einzelnen Dinge gekommen ist und belegt sie auch anhand von Texten oder Gesprächen mit z.B. hochrangigen Managern aus zwei konkurrierenden Pharmakonzernen. Als Leser merkt man so, dass sich Schorlau die schockierenden Fakten keineswegs aus der Nase gezogen hat, sondern diese zu meinem großen Entsetzen alle der Wahrheit entsprechen. Wer sich also mal ein bisschen über die Machenschaften der Pharmaindustrie informieren möchte, für den ist dieser Krimi genau das Richtige.

Neben dem Thema der Pharmaindustrie war für mich als Stuttgarterin natürlich das Thema Stuttgart 21 hoch interessant. Wer jetzt Angst hat und denkt, dass ist ein Buch, dass die ganze Zeit gegen Stuttgart 21 stänkert, dem kann ich versichern, dass dem nicht so ist. Ich weiß zwar, dass der Autor Gegner von Stuttgart 21 ist, allerdings merkt man das nicht die ganze Zeit. Der Privatermittler Georg Dengler steht dem Demonstrieren gegen Stuttgart 21 nämlich erstmal sehr skeptisch gegenüber und weiß eigentlich gar nicht so genau, was alle für ein Problem mit dem Tiefbahnhof haben. Erst nachdem er den "Schwarzen Donnerstag" im Stuttgarter Schlossgarten und die anschließenden Interviews von Herrn Mappus und Co. mitbekommt, bildet er sich so langsam eine Meinung zu dem ganzen Geschehen. Ich finde Schorlau schafft es gut, dass Thema Stuttgart 21 umzusetzten. Natürlich fehlt im stellenweise eine gewisse Distanz, da er eben selbst ein Gegner dieses Bahnprojekts ist, allerdings finde ich das nicht weiter schlimm, da er es vielleicht genau deswegen versteht, die Dinge detailliert und wahrheitsgemäß wiederzugeben.

Neben diesen beiden Themen kommt aber auch die spannenden Kriminalgeschichte nicht zu kurz. Auch hier hat es der Autor mal wieder geschafft, mich bis zum Ende miträtseln und trotzdem nicht auf die Lösung kommen zu lassen. Nachdem der Fall dann gelöst war, war ich schon ein bisschen geschockt, finde aber Schorlau hat das klasse gemacht und es geschafft das Thema der Pharmaindustrie, was zunächst nur so nebenher lief, mit in den Kriminalfall einzubauen.

Das Ende ist sehr passend gewählt und enthält auch wieder einige Fakten, zum Beispiel zum Thema Stuttgart 21. Auch eine gewisse Tragik ist zum Schluss mit vorhanden, finde ich jedoch, dass genau das der Geschichte noch mehr Authenzität verleiht und gut zu ihrem Verlauf passt.

Der Schreibstil Schorlaus hat mir am Anfang kurz etwas zu schaffen gemacht, ist aber schon nach kurzer Zeit angenehm zu lesen. Allerdings würde ich sagen, ist "Die letzte Flucht" ein Buch, dass nur von Leuten gelesen werden sollte, die sich auch ein Stückweit für Politik interessieren, denn sonst könnte es schnell sehr langweilig werden. Ich bin zwar selbst niemand der jetzt eine wahnsinnige Ahnung von Politik hat, aber mit den beiden Hauptthemen in "Die letzte Flucht" hat Schorlau genau mein Interesse getroffen.

Fazit:
Ein sehr lesenswerter Krimi, der es schafft, denn Leser zu fesseln und zu schockieren und vorallem auch zu informieren. Schorlaus Recherchen sind einmalig gut und sollten von jedem gelesen werden!

Mein herzlicher Dank geht an Lovelybooks für die Leserunde und an Kiepenheuer&Witsch für die Bereitstellung des Leseexemplars!

1 Kommentar:

  1. schau mal ^^
    http://tanjaisaddictedto.blogspot.com/2011/11/noch-ein-award.html

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