Samstag, 10. Dezember 2011

Rezension "Weiße Nana"

Titel: Weiße Nana
Autor: Bettina Landgrafe
Verlag: DroemerKnaur
Seitenzahl: 366
ISBN: 978-3426655092
Einbindungsart: Gebunden
Preis: 16,99 €
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Zum Inhalt:
Bettina Landgrafe ist Deutsche; eigentlich! Denn in ihrem Herzen ist sie eigentlich Ghanaerin. Seit sie das Land zum ersten Mal gesehen hat, fühlt sie sich dort heimisch. Deswegen verbringt sie die Hälfte des Jahres dort und nur die andere Hälfte in Deutschland. Während sie in Ghana ist, versucht sie der Bevölkerung, ihren "Brüdern und Schwestern" wie sie selbst sagt, zu helfen. Dazu hat sie mittlerweile eine Hilfsorganisation "Freunde Ghanas" gegründet, mit der sie Spenden in Deutschland sammelt. Immer wieder gelingt es ihr auch größere Summen für ein bestimmtes Projekt zusammen zu bekommen, welches sie mithilfe der Ghanaer vor Ort umsetzt. Allerdings dürfen die Ghanaer vorher entscheiden, welches Projekt umgesetzt werden soll. Landgrafe betont, dass sie niemandem ein Projekt aufdrängen will, sondern die Bevölkerung selbst entscheiden soll, was für ihr Dorf am Wichtigsten ist. Durch ihr Engagement wird sie schnell sehr bekannt und sogar in ihrem Dorf zur Königin gekrönt. Diesen Vorteil nutzt sie, um ihrem Dorf noch mehr zu helfen und bei der Regierung besser Druck machen zu können. Gäbe es mehr Menschen, wie Bettina Landgrafe, sähe die Welt ein kleines bisschen besser aus!


Meine Meinung:
Puh, zu so einem Buch meine Meinung zu formulieren fällt mir echt schwer. Denn eigentlich kann ich es mir gar nicht erlauben, das zu beurteilen, was Frau Landgrafe schreibt, da die Tatsache allein, dass sie so viel tut, so wahnsinnig toll ist, dass ich mir eigentlich kein Urteil erlauben will. Da ich nun aber schon mal dabei bin, werde ich natürlich ein bisschen was zum Buch sagen.

Der Stil von Frau Landgrafe gefällt mir gut, er macht die Erzählung unglaublich authentisch und man merkt, mit wieviel Herzblut sie bei der Sache ist. Sie ist nicht die beste Schreiberin, aber gerade das gibt dem Buch das gewisse Etwas.

Ich muss gestehen, dass mich zu Anfang auch etwas an dem Buch gestört hat. Und zwar hat mir Frau Landgrafe zu oft betont, dass sie ja diejenige ist, die alles bestimmt und der man die ganzen Spendengelder zu verdanken hat. Vielleicht war das ja gar nicht ihre Absicht, aber stellenweise hat sich bei mir so ein komisches unwilliges Gefühl eingeschlichen, so nach dem Motto "Das hätte sie jetzt nicht extra noch betonen müssen". Keine Frage, ich finde es toll, was Frau Landgrafe macht und hier soll auch nicht ihre Arbeit bewertet werden, über die sich übrigens niemand ein Urteil erlauben sollte. Aber einige Stellen in dem Buch sind mir eben etwas sauer aufgestoßen. Ich weiß, ich sollte jetzt Beispiele nennen, aber erstens habe ich mir keine aufgeschrieben und zweitens war das eben ein Gefühl von mir und ich vermute ganz einfach, dass sie sich da etwas unglücklich ausgedrückt hat.

Gut gefallen hat mir die Beschreibung der einzelnen Projekte. So bekommt man als Leser einen guten Einblick in Bettina Landgrafes Alltag, den man sonst ja nicht haben würde. Und ich finde das Lesen dieses Buches weckt im Leser den Wunsch, selbst etwas zu tun. Ich bin froh, dass es so Menschen wie Frau Landgrafe gibt, denn für mich wäre ein Leben in Ghana glaube ich nichts, aber es gibt ja auch noch viele andere Stellen, an denen man helfen kann, beginnend vor der eigenen Haustüre.

Ungefähr in der Mitte des Buches findet sich ein kleiner Teil an Farbfotos, welcher dem Leser noch einen besseren Einblick in Frau Landgrafes Leben gibt. Zwischendrin gibt es auch ab und an ein paar schwarz/weiß Fotos, so bleiben die beschriebenen Personen keine gesichtslosen Gestalten, sondern man kann sich jemanden drunter vorstellen.

Ich finde es gut, dass Frau Landgrafe dieses Buch geschrieben hat. Ich hoffe dass es seine Leser bekommt, denn es hat sie verdient. Selten habe ich in einem Buch so einen Einblick in eine fremde Kultur erhalten, wie in diesem. Es brachte mich zum Nachdenken auch über unser Leben hier in Deutschland, denn Frau Landgrafe bemängelt zu Recht, die Überflussgesellschaft hier in Deutschland. Wenn ich mir vorstelle, wie die Menschen in Ghana aufgrund unserer Fehler schlechter dastehen, würde ich am Liebsten anfangen zu schreien. Das kann einfach nicht sein, dass die Ressourcen so ungerecht verteilt sind. Und genau deswegen finde ich das Buch von Frau Landgrafe gut und einen richtigen Schritt. Vielleicht bringt es noch einige außer mir zum Nachdenken und vielleicht auch zum Handeln und damit wäre doch schon etwas erreicht.

Schön finde ich es übrigens auch, dass Bettina Landgrafe mit einigen Vorurteilen aufzuräumen versucht. Viele Europäer scheinen ja zu denken, dass Afrikaner faul, unzuverlässig und dumm sind und genau dem widerspricht Frau Landgrafe vehement.  Sie beleuchtet die Ghanaer in einem Licht, wie man sie vielleicht noch nicht kannte und versucht aber gleichzeitig auch unser Bild in Afrika zu verbessern. Denn auch dort herrscht nicht überall eine sonderlich positive Meinung über uns Europäer, was ich allerdings verstehen kann.

Ich bin mir nicht sicher, ob das jetzt eine richtige Rezension ist, aber mehr kann und möchte ich zu dem Buch nicht sagen. Das es sich nicht um eine spannende Geschichte sondern um die harte Realität handelt, sollte inzwischen allen klar sein (die bis hierhin durchgehalten haben ;)) und dass es genau deswegen gelesen werden sollte, habe ich glaube ich jetzt auch schon ein paar Mal gesagt :D Es liest sich zwar nicht so flüssig und fesselnd wie ein Krimi, hat aber dafür seine ganz eigenen Reize. Wer gerne mehr über Ghana erfahren möchte, ist hier genau richtig.

Fazit:
Ein Buch, das mir Ghana näher gebracht hat, das zum Nachdenken anregt, das von allen gelesen werden sollte und das vielleicht auch ein Stück dazu beiträgt die Welt ein bisschen besser zu machen.


Ich bedanke mich herzlich bei Lovelybooks & DroemerKnaur für die Bereitstellung des Rezensionsexemplars.

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