Mittwoch, 8. Januar 2014

Blogtour "Es wird keine Helden geben"


Vorgestern gab es schon meine Rezension zu diesem absolut berührenden Buch.
 Heute gibt es auf meinem Blog einen Beitrag zum Thema Abschied bzw. Trauer/Therapie.

Bei "Es wird keine Helden geben" stirbt Miriams Freund Tobi durch eine Kugel. Miriam ist am Boden zerstört und weiß nicht wie sie damit fertig werden soll. Ihre Therapeutin schlägt ihr vor, Tobi einen Abschiedsbrief zu schreiben, in dem sie alles formuliert, was sie bewegt, was sie ihm jetzt gerne sagen würde, damit sie anfangen kann loszulassen. Ich habe versucht zu formulieren, wie so ein Brief geschrieben sein könnte, was gar nicht so leicht war. Was sagt man jemandem, den man geliebt hat, der nicht mehr da ist und auf den man wütend ist, obwohl er nichts dafür kann, dass er nicht mehr da ist. Sicher würde jeder von euch das anders schreiben, so jedoch habe ich mir diesen Brief vorgestellt:

Mein liebster Tobi,
eigentlich weiß ich gar nicht so genau, was ich hier mache...hat das wirklich einen Sinn??? Du bist WEG und ich bin SO wütend auf dich!!! Wie konntest du mich alleine lassen? Wie konntest du einfach so sterben? Ich konnte mich nicht mal verabschieden! Du hast mich nicht gefragt, du bist einfach gegangen!!!
Es tut mir so wahnsinnig Leid, dass ich dich im Stich gelassen habe. Ich wünschte, ich wäre auf dem Flur zu dir gekommen. Ich wünschte ich hätte DICH nicht allein gelassen. Ich werde mir NIE verzeihen, dass ich dir nicht helfen konnte.
Wie soll ich jetzt weiterleben? Hat das noch einen Sinn?? Du warst derjenige, um den sich alles gedreht hat. Du warst mein ein und alles. Und jetzt bist du nicht mehr da! Ich bin so wütend, ich möchte gleichzeitig schreien und irgendwo dagegen treten! Wie konntest du mir das antun?
Mein Leben existiert nicht mehr, alles liegt in Trümmern. Ich weiß nicht, wozu ich eigentlich noch aufstehen soll? Wieso atmen, wenn jeder Atemzug so unglaublich anstrengend und dabei so sinnlos ist?
Ich habe dich so sehr geliebt und liebe dich immernoch. Mein Herz ist zerissen, meine Welt liegt in Scherben. Wohin gehen, wenn nirgends jemand auf mich wartet, der mich so sehr liebt wie du?
Du kannst nicht tot sein! Das darf einfach nicht passiert sein! Ich brauche dich doch in meinem Leben, wie die Luft zum Atmen! DU hat mein Leben lebenswert gemacht. Ohne dich ist alles sinnlos.
Ohne dich weiterzumachen ist für mich die größte Herausforderung, die ich jemals zu meistern hatte. Ich schaffe das nicht Tobi. Die können das nicht von mir verlangen. DU kannst das nicht von mir verlangen, denn du bist schließlich nicht mehr da.
Ich würde dir gerne so viele Sachen sagen. Wie sehr ich dein Lächeln liebe, wie sehr ich dich brauche und wie sehr du mir Halt gegeben hast. Doch ich kann es nicht und das werde ich MIR und DIR niemals mehr verzeihen. Ich habe dir viel zu selten gesagt, dass du das allerwichtigste für mich bist. Viel zu sehr nahm mich der Alltag in Beschlag. Die kleinen Worte blieben auf der Strecke und jetzt kann ich sie nicht mehr sagen.
Ich werde dich niemals vergessen, ich werde dich immer lieben und in meinem Herzen tragen und hoffen, dass ich es irgendwann schaffe mit dem Schmerz zu leben.
In Liebe
Deine Miriam

So stelle ich mir ungefähr einen Abschiedsbrief vor. So in etwa würde ich ihn formulieren. Ich habe versucht, die einzelnen Phasen der Trauer ein bisschen mit einzubauen. Wut, Trauer, Unverständnis, Schuldgefühle, Verwirrung und absolute Verzweiflung. Und vielleicht am Ende ein stückweit Aktzeptanz, der Versuch mit den Geschehnissen zu leben und Abschied zu nehmen. Ich bin mir bewusst, dass das hier einfacher klingt, als es in echt mit Sicherheit ist. Doch bin ich der festen Überzeugung, dass Briefe, egal in welcher Situation helfen. Vor allem beim Abschied nehmen. Denn ganz ehrlich? Wie oft hat man Schuldgefühle, wenn jemand stirbt? Wie oft denkt man sich, was hätte ich anders machen können? Was hätte ich sagen sollen? Ich hätte mich so gerne verabschiedet. Sicher ist das nicht bei jedem der Fall, doch ich kann von mir persönlich sagen, dass es bei mir so einen Fall schon gab.

Ich bereue es bis heute, dass ich meinen Opa vor seinem Tod nicht mehr oft besucht habe. Weil ich jung war, weil ich andere Dinge im Kopf hatte. Doch leider macht das die verlorene Zeit nicht gut. So vieles wollte ich ihm sagen. Sein Tod kam für mich so überraschend, dass ich mich monatelang mit Schuldgefühlen geplagt habe. Ich bin mir sicher, ein Abschiedsbrief hätte mir damals sehr geholfen, auch dabei, es zu akzeptieren, dass mein Opa nicht mehr da ist. Heute kann ich es nicht mehr ändern. Doch weiß ich jetzt, dass ich immer die Möglichkeit habe, ihm zu sagen, was mir damals verwehrt blieb. Das finde ich einen schönen und tröstenden Gedanken und ich hoffe, einigen von euch geht es auch so. Ich hoffe, dass ihr, wenn ihr mal in eine Situation kommt, in der ein geliebter Mensch überraschend oder auch nicht ganz so überraschend stirbt, ihr die Kraft besitzt damit fertig zu werden und vielleicht hilft euch ja genauso ein Abschiedsbrief dabei! Ich wünsche es euch aus ganzem Herzen!

Mein Beitrag ist nun doch etwas länger und persönlicher geworden, als ich zunächst gedacht hatte. Ich habe richtig gemerkt, wie mir das ganze emotional doch nahe gegangen ist und mich sehr zum Nachdenken gebracht hat.

Ich hoffe, dass der ein oder andere von euch, Lust bekommt "Es wird keine Helden geben" zu lesen. Ein wirklich tolles Buch einer jungen Autorin, dass ihr in den nächsten Tagen sogar gewinnen könnt.

Schaut doch auch mal bei den anderen Bloggern rein, die heute ihre Beiträge gemacht haben:

Charaktere Miriam - Ihre Gedanken, ihr Verhalten - wie gehe ich mit einem großen Verlust um. Ich werde das aber noch konkret schreiben, wie der Aufbau sein wird.
Sprüche/Gedichte berühmter Persönlichkeiten und ein youtube-video zum Thema Tod/Trauer/Trauerbewältigung + aufzeigen wo/wie sich die Sprüche im Buch widerspiegeln...
Thema Therapie mit Formen und Aufschlüsselung speziell für das Buch
Trauerbewältigung: Wie wird im Buch damit umgegangen & was sagen/raten Experten & Psychologen?
Thema: Hilflosigkeit der Eltern, wo können sich Eltern beraten lassen, wie sie den Zugang zu ihren Kindern finden, ihnen Hilfe anbieten, etc. / evtl. das Thema Suizid mit einbauen ?! 
Was ist Trauer?, Reaktionen eines Menschen im Trauerfall? Wie wird getrauert?->hier auch Bezug auf Miriams körperlicher und seelischer Veränderung, Was im Trauerfall helfen kann
Wo finde  ich Hilfe?
-Pia  http://piasbuecherinsel.blogspot.de/Kann man mit dem Opfer nach der Tat "richtig" umgehen? Wie reagiert man auf Aktionen des Opfers.

 Außerdem gibt es eine Leseprobe zu dem Buch und bei Lovelybooks eine Leserunde. Katja freut sich sicher noch über rege Teilnahme!

Kommentare:

  1. Sehr gelungen dein Abschiedsbrief!!!
    Ich habe mich sehr gut in ihn hineinversetzen können und kann verstehen, dass das nicht gerade leicht zu schreiben war...

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  2. Liebe Caro,

    ich finde deinen Beitrag wirklich sehr schön. Abschiedsbriefe sind wirklich schwierig...das kenne ich aus eigener Erfahrung. Mein Freund ist damals bei einem Autounfall ums Leben gekommen und ich habe kurz nach seinem Tot einen Brief verfasst, weil ich das Gefühl hatte, dass ich ihm noch so viel zu sagen hatte. Vieles war unausgesprochen und das hat mir die Trauer nicht erleichtert. Nachdem ich diesen Brief geschrieben hatte fand ich ihn richtig doof und meinte er würde nicht im entferntesten ausdrücken, was ich emfunden habe. So wanderte er einfach mal für ein Jahr in meiner Schublade. Die Trauer ging weiter und hat mich fast aufgefressen. Irgendwann kramte ich diesen Brief vor und fuhr damit zu seinem Grab (einfach aus dem Bauch heraus). Ich habe ihn am Grab vorgelesen und beim Lesen gemerkt, dass es doch die richtigen Worte waren. Danach habe ich ihn in tausend Teile zerrissen und während der Fahrt nach Hause aus dem Fenster gehalten. Danach konnte ich endlich abschließen.
    Hach ... Abschiedsbriefe sind schwer, aber an deinem Brief merkt man was für ein einfühlsamer Mensch du bist.
    Danke!

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    1. Liebe Katrin,
      danke für diese lieben Worte, die mir sehr zu Herzen gingen ... Manchmal ist es wirklich hart, was das Leben so für einen bereithält. Ich bewundere dich für deine Stärke und finde es toll, dass dir tatsächlich so ein Brief geholfen hat!
      Fühl dich gedrückt!

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  3. Fühl dich zurückgeknuddelt! :-)

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