Montag, 30. Januar 2012

Rezension "Herrschaft der Alten"

Titel: Herrschaft der Alten
Autor: Alfred Bekker
Verlag: edition zweihorn
Seitenzahl: 146
ISBN: 978-3935265898
Einbindungsart: Taschenbuch
Preis: 6,95 €
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Geeignet für: Schüler, ab 7. Klasse (Verlagsangabe)

Zum Inhalt:
Die Erde in der Zukunft. Der größte Teil der Bevölkerung besteht aus alten Menschen. Junge Menschen sind - zumindest in Deutschland - nicht mehr viel wert und werden nur gebraucht um die alten Mensch zu pflegen. Aus diesem Grund ist Personen erst ab dem 75. Lebensjahr die Ausreise aus Deutschland erlaubt. Vier Jugendliche möchten sich damit nicht zufrieden geben, in anderen Ländern werden Jugendliche nämlich durchaus hoch angesehen. Deswegen warten sie auf einen Sonnensturm, durch den die meisten technischen Geräten abgeschaltet und so die Sicherheitsvorkehrungen ziemlich heruntergefahren werden müssen. Sie planen ihre Flucht akribisch, denn sie haben nur diese eine Chance. Sollten sie erwischt werden, werden sie für immer in Deutschland eingesperrt und jede Aussicht auf Zukunft wird ihnen verwehrt bleiben.

Meine Meinung:
Positiv:
Bei "Herrschaft der Alten" handelt es sich um einen kurzweiligen gut zu lesenden Zukunftsroman. Alfred Bekker hat eine gute Idee in ein gutes Jugendbuch umgesetzt, das viel Diskussionsstoff bietet und zum Nachdenken anregt. Es fesselt und kann mit seiner zeitgemäßen Message punkten.

"Herrschaft der Alten" hat mich gut unterhalten und konnte mit einigen neuen Ideen aufwarten. So haben die Jugendlichen alle ein tragbares elektronisches System, dass so ähnlich wie ein Handy bzw. ein kleiner Computer funktioniert, dass aber in ihren Körper eingebaut ist und Hologramme in die Luft "zaubern" kann. Dieses System erleichtert ihnen vieles dient aber durchaus auch dem Staat zur Überwachung. Jeder Schritt, jede E-mail, jedes Telefonat wird überwacht. Der Computer stellt fest, wann der Jugendliche das letzte Mal gelernt hat und weißt ihn darauf hin. Es wird überwacht, welche Internetseiten die Jugendlichen besuchen und sollten diese kritisch sein, wird der Jugendliche unter Beobachtung gestellt. Deutschland ist somit also zum Überwachungsstaat mutiert.

Was es heute schon im Kleinen gibt, weitet sich in "Die Herrschaft der Alten" aus. Was heute zwar bedenklich aber in den meisten Fällen ziemlich harmlos erscheint, wird in "Die Herrschaft der Alten" zur Bedrohung für jeden einzelnen Menschen. Man stelle sich vor, man steht die ganze Zeit unter ständiger Bewachung! Das muss wirklich schrecklich sein. Der Autor schafft es gut, dieses Gefühl zu transportieren und einem als Leser klar zu machen, wie bedrückend so eine Situation sein kann. Ich finde, dass er mit dieser Message definitiv den Nerv der Zeit trifft, denn wenn wir nicht aufpassen enden wir irgendwann auch in einem Überwachungsstaat.

Das Buch ist in einer leicht zu lesenden Sprache geschrieben, die es zusammen mit dem geringen Umfang des Buches begünstigt, dass man als Leser schnell voran kommt.

Passend finde ich auch den Titel, "Herrschaft der Alten". Er passt gut zur Geschichte, da ja die Jugendlichen kaum etwas zu melden haben und die Menschen erst etwas wert sind, wenn sie alt sind. Auch das Cover passt gut zur Geschichte und vorallem zur Message des Überwachungsstaates. Die Kamera und der Stacheldrahtzaun unterstreichen diese Message und das Gefühl des Eingesperrtseins.

Negativ:
Die Figuren, die mir eigentlich ganz gut gefallen, bleiben aufgrund des geringen Umfangs doch etwas blass und nicht gut genug durchleuchtet. Ich hätte gerne mehr über ihre Hintergründe und Geschichten erfahren. Richtig beleuchtet wird eigentlich nur das Leben einer Hauptperson, die anderen bleiben mehr im Hintergrund und man erfährt nur vereinzelt etwas über ihr Leben.

Ebenfalls gefehlt hat mir auch mehr Hintergrund zur Geschichte. Wie oben beschrieben finde ich die Idee des Autors wirklich gut und mir gefällt die Geschichte an sich auch. Nur geht sie viel zu schnell zu Ende. Nun weiß ich natürlich nicht, ob das eine Vorgabe des Verlags ist, da ich schon einmal ein so dünnes Werk aus deren Haus gelesen habe, aber trotzdem hätte ich mir mehr Hintergründe gewünscht. Vorallem zum Schluss endet die Geschichte so abrupt, dass ich doch sehr überrascht wurde. Man erfährt praktisch nur aus einem kurzen Brief, was den Protagonisten so zugestoßen ist, aber nicht von ihnen selbst, das finde ich doch sehr schade. Leider kommt durch den geringen Umfang auch die Spannung etwas zu kurz. Stellenweise ist es schon durchaus spannend, den Jugendlichen bei ihren Vorbereitungen zur Flucht zuzuschauen, leider konnte diese Spannung nie so richtig aufrechterhalten werden.

Gestört hat mich auch, dass die Geschichte nicht in Kapitel unterteilt ist. Das finde ich echt total schade. Ich mag es irgendwie, wenn Bücher eine gewisse Einteilung haben und ich mich von Abschnitt zu Abschnitt hangeln kann. Es ist abends sehr hilfreich, wenn ich das Buch zur Seite legen möchte und ich dann noch bis zum Kapitelende lesen kann. So hat es eine richtig geeignete Stelle, an der man das Buch unterbrechen kann. Fairerweise muss man hier aber sagen, dass der Text nicht an einem Stück runtergeschrieben ist. Es gibt schon durchaus Abschnitte, die deutlich voneinander getrennt sind, nur halt leider keine Kapitel.

Fazit:
Ein gut zu lesender Zukunftsroman, dem es leider aufgrund des geringen Umfangs etwas an Tiefe fehlt, der aber mit seiner Message den Nerv der Zeit trifft.

Ich bedanke mich herzlich bei "edition zweihorn" für die Bereitstellung des Leseexemplars!

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