Donnerstag, 20. März 2014

Rezension "Der Anfang von danach"

Titel: Der Anfang von danach
Autor: Jennifer Castle
Verlag: Carlsen
Seitenzahl: 381
ISBN: 978-3-551-58266-9
Einbindungsart: Gebunden
Preis: 18,90 €
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Zum Inhalt:
(c) Carlsen
Als Laurel beschließt nicht gemeinsam mit ihren Eltern, ihrem Bruder und ihren Nachbarn zur Eisdiele zu fahren, sondern heimzugehen um zu lernen, hätte sie nie gedacht, dass dieser Abend der schlimmste ihres Lebens wird. Als plötzlich die Polizei vor ihrer Haustür steht, hört sie nur noch das Wort "Unfall" und ihr ist klar, dass etwas schreckliches geschehen sein muss. Ihre komplette Familie ist tot. Sie steht plötzlich ganz alleine da, ohne jeglichen Hoffnungsschimmer und mit der rießigen Last, dass sie noch am Leben ist. Von ihren Mitschülern wird sie fortan beäugt und die gesamte Schule tuschelt über sie. Laurel merkt, dass sie kurz davor ist durchzudrehen und zieht sich zurück. Nur langsam schafft sie es mit Hilfe ihrer Großmutter und ihrer besten Freundin zurück in ein halbwegs normales Leben.

Meine Meinung:
"Der Anfang von danach" ist ein Buch mit einer unglaublich heftigen Handlung. Als Leser kann und will man sich nicht wirklich vorstellen, was Laurel alles durchmacht. Und trotz allem, trotz dem schweren, schlimmen Thema hat mir das Buch richtig gut gefallen.

Die Autorin hat einen Stil, der mir richtig gut gefällt. Sie beschreibt Laurels Gefühle, ihre Wut und Hilflosigkeit so bildhaft, dass ich mich wunderbar in die Hauptperson hineinversetzen konnte. Der Text ist so flüssig geschrieben, dass ich gar nicht richtig merkte, wie schnell ich durch die Seiten flog.

Mit Laurel hat Jennifer Castle eine Hauptperson geschaffen, die sehr glaubwürdig ist. Man kann an ihr richtig gut die Phasen der Trauer beobachten und leidet mit ihr. Castle macht aus Laurel keine Heldin, die durchweg stark mit der Situation umgeht, wofür ich ihr wirklich dankbar bin. Vielmehr schafft sie eine realistische Person, einen Teenager, der plötzlich ganz alleine dasteht und die Welt nicht mehr versteht. Laurels Gefühle spielen verrückt und so geht sie vielleicht zu Beginn recht stark mit der Situation um. Als Leser merkt man jedoch sehr schnell, dass dies alles nur Fassade ist und wie es wirklich in Laurel aussieht. Laurel möchte man trösten, man möchte zu ihr hingehen und ihr versichern, dass alles wieder gut wird - auch wenn es das natürlich nicht wird, man möchte ihr eine gute Freundin sein. Dies alles schafft Castle mit ihren tollen und eindrucksvollen Beschreibungen der Charaktere, die mir alle so unnachahmlich im Gedächtnis geblieben sind.

Desweiteren gefällt mir richtig gut, wie Castle mit dem Unfall ansich umgeht. Viele Bücher zielen da ja auf den Unfallhergang, die Schuldfrage ab. Natürlich wird das auch hier das ein oder andere Mal thematisiert, doch wird die Schuldfrage nie endgültig geklärt und sie wird nie in den Vordergrund gestellt. Am Ende hatte ich einfach das Gefühl, es ist gut so wie es ist. Keiner weiß genau was passiert ist, aber das scheint auch nicht wichtig. Denn für Laurel würde sich durch diese Klärung sowieso nichts ändern, es würden eher alte Wunden aufgerissen. So gefällt es mir bei diesem Buch wirklich gut, dass auch etwas offen bleibt.

Den Titel finde ich ebenfalls hervorragend gewählt. Gerade auf Deutsch passt "Der Anfang von danach" wie die Faust aufs Auge. Dieser Ausspruch ist einer der vielen tiefgründigen Gedanken, die Protagonistin Laurel des öfteren hat und die mir ebenfalls sehr gut gefallen haben. Mit "Der Anfang von danach" macht Castle klar, dass es ein davor und danach gibt und sich durch den Unfall für Laurel alles geändert hat. Nichts könnte das besser auf den Punkt bringen, als dieser Satz.

Emotional und berührend, so könnte man die Geschichte von Laurel in zwei Wörtern beschreiben. Nicht nur einmal saß ich fassungslos vor der Geschichte und fragte mich hilflos, was ich wohl in dieser Situation getan hätte. Beeindruckend, wie wenig Action und Handlung eine Geschichte braucht um tief zu gehen und einen nachdenklich zurückzulassen. Castle ist das hier auf ganzer Linie gelungen. Ein nachhaltiges, tolles und auch wichtiges Buch, das noch ganz viele Leser verdient!

Fazit:
Berührend, beeindruckend geschrieben, mit Tiefgang und vielen Gedanken über das Leben und dessen Vergänglichkeit, die mich so schnell nicht mehr loslassen werden.

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