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Donnerstag, 23. August 2018

Rezension "Du wolltest es doch"

Titel: Du wolltest es doch
Autor: Louise O'Neill
Verlag: Carlsen
ISBN:  978-3-551-58386-4
Seitenzahl: 368
Einbindungsart: Hardcover
Preis: 18,00 €
Alter: ab 16

(c) Carlsen
Zum Inhalt:
Emma ist jung, hübsch und beliebt. Sie macht gerne Party und dabei vor keinem Jungen halt. Dabei ist sie selbstsüchtig, eiskalt und nur auf ihren Vorteil bedacht. Auf einer Party passiert dann jedoch etwas womit Emma niemals gerechnet hätte. Mehrere Jungen werden zudringlich und filmen das Ganze auch noch. Emma wird zum Gespött im Internet und als Schlampe verschrien. Dabei kann sie sich selbst nicht an jene schicksalshafte Nacht erinnern und weiß nicht was passiert ist. Nachdem der Vorwurf der Vergewaltigung im Raum schwebt wird Emma endgültig von allen geschnitten und muss auf schmerzhafte Art und Weise lernen, wer ihre wahren Freunde sind.

Meine Meinung:
Zunächst einmal muss ich eine Trigger - Warnung aussprechen. Eine Warnung an all jene, die Schwierigkeiten oder persönliche Erfahrungen mit dem Thema Vergewaltigung und / oder sexuelllem Missbrauch gemacht haben. Das Buch beschreibt einige Szenen recht explizit und das nicht nur einmal. Insofern sollte man von dieser Geschichte Abstand nehmen, wenn man das nicht verkraftet.

Ich selbst muss zugeben, dass ich mir eine Weile überlegt habe, ob ich dieses Buch lesen soll. Ich habe vom Grundsatz her kein Problem mit schlimmeren Themen in Büchern und schaffe es meistens auch, das ganz gut wegzustecken. Doch hier musste ich mir wirklich dreimal überlegen ob das nicht zu heftig wird. Dies lag jedoch vor allem daran dass die Protagonistin den Namen meiner Tochter trägt und ich mir nicht sicher war, ob ich das so einfach wegstecken würde.

Als ich mich dann dazu entschloss das Buch zu lesen, war ich sehr erleichtert, dass die Geschichte aus Emmas Sicht erzählt wird, denn dadurch bekam ich den Nament nicht so oft zu lesen, was es mir leichter machte die Geschichte zu verkraften und ertragen. Der Schreibstil der Autorin ist präzise und auf den Punkt. Sie nimmt keinerlei Blatt vor den Mund, was die Erzählung recht heftig macht. Sie schildert die Geschehnisse genauso wie sie passiert sind. Dabei drückt sie sich so aus, wie Jugendliche es im Netz häufig tun. Zuddem schafft sie es mit ihrem Schreibstil die düstere Stimmung zu vermitteln, die von Emma ausgeht. Als Leser wird man in diesen düsteren Sog hineingezogen und findet nur schwer wieder hinaus.

Auch die Protagonisten beschreibt O'Neill äußerst authentisch und facettenreich. Mit Emma schafft sie eine Hauptperson, die zunächst alles andere als ein Sympathieträger ist. Ich konnte sie einfach nicht leiden, ihre arrogante selbstverliebte Art, ihre Art wie sie ihre Freundinnen ausnützt und der pure Egoismus der ihr zu eigen ist, machten mich stellenweise sogar aggressiv. Dies führte dazu, dass mich ab und an sogar die Lust verließ, das Buch weiterzulesen, denn Emma ist einfach keine Person mit der man mitfiebern möchte. Grandios vollzieht O'Neill dann die Charakterwendung und auch die Beziehung die man als Leser zu Emma aufgebaut hat. Nach der schrecklichen Nacht ist nämlich nichts mehr wie vorher. Man hat Mitleid mit Emma und kann es nicht fassen was ihr passiert ist. Emma selbst verändert sich ebenfalls extrem, dies betrifft jedoch fast nur ihr Innenleben. Nach außen versucht sie den schönen Schein, die harte Fassade zu wahren, auch wenn sie sich nach und nach von allen abschottet.

Die Eltern von Emma sind schlicht und einfach unmöglich. Anstatt ihrer Tochter zu helfen, schämen sie sich für sie und wollen den Vorfall am Liebsten vergessen. Sie haben nur Angst um ihren guten Ruf und man merkt, dass sie ihrer Tochter nicht wirklich glauben. Ich wäre so gerne in das Buch gesprungen und hätte sie am Kragen gepackt, geschüttelt und gefragt ob sie noch ganz bei Trost sind. Man merkte Emma deutlich an, dass etwas nicht stimmte und auch die Fotos zeigen wohl eindeutig, dass da was gegen ihren Willen passiert ist. Emmas Bruder ist der Einzige der zu ihr steht, was ich schon sehr beängstigend finde. Dieser Umstand machte mich echt wütend und so schaffte es die Autorin innerhalb kürzester Zeit die verschiedenstens Emotionen in mir hervorzurufen.

Der Verlauf der Geschichte ist bedrückend und traurig. Die Resignation die von Emma ausgeht ist mit den Händen greifbar. Nachdem ich einige Aussagen von Opfern gelesen habe, weiß ich nun, dass die Geschichte leider einen relativ realistischen Verlauf genommen hat. Leider ist es im wahren Leben oft so, dass die Opfer als die Schuldigen hingestellt werden. Deshalb auch der sehr passende Titel "Du wolltest es doch". Auch Carlsen und die Autorin äußern sich im Nachwort zu dieser recht heiklen Thematik, was ich wirklich gut finde. Das Ende ist dadurch für einen selbst als Leser natürlich nicht wirklich befriedigend. Ich verstehe die Stimmen, die enttäuscht davon sind, doch ich finde den Weg den die Autorin gewählt hat sehr gut, denn nur so schafft sie es authentisch zu bleiben.

Fazit:
Ein Buch bei dem es mir schwerfällt Punkte zu vergeben, denn es wühlt auf, berührt und schockiert gleichermaßen. Ich bin traurig über den Verlauf den die Geschichte genommen hat, ziehe aber gleichzeitig meinen Hut für die schonungslose und offene Art der Autorin dieses harte Thema anzupacken und dabei immer authentisch und realistisch zu bleiben. Ein Buch welches ich sicher noch sehr lange mit mir herumtragen werde.

Mittwoch, 22. August 2018

Rezension "Scarlett - Ein Löffelchen Geheimnis und der Duft von Magie"

Titel: Scarlett - Ein Löffelchen Geheimnis und der Duft von Magie
Autor: Laurel Remington
Verlag: Carlsen
ISBN:  978-3-551-52096-8
Seitenzahl: 256
Einbindungsart: Hardcover
Preis: 10,00 €
Alter: ab10

(c) Carlsen
Zum Inhalt:
Scarletts Mutter führt einen äußerst erfolgreichen Blog. Einen Blog auf dem sie ihr Leben als Mutter beschreibt, in dem sie private Anekdoten preisgibt. Scarlett macht sie damit zum Gespött der Schule. Zudem verschlechtert sich die Beziehung von Scarlett und ihrer Mutter dadurch zusehens, denn sie traut sich nicht, ihr noch mehr Stoff für ihren Blog zu liefern. Als sie durch Zufall auf die Küche ihrer alten Nachbarin stößt und dabei das Backen für sich entdeckt, ändert sich Scarletts Leben vom einen auf den anderen Tag. Sie findet Freunde und die Liebe zum Backen und merkt plötzlich, dass es viel wichtigere Dinge als eine nervige Mutter im Leben gibt.

Meine Meinung:
Schon allein die Optik dieses Buches ist anziehend. Als ich dann immer mehr begeisterte Meinungen über diese Geschichte gelesen habe, musste ich mich einfach selbst überzeugen. Zudem liebe ich selbst das Backen, weswegen die Geschichte eindeutig perfekt für mich ist.

Von der ersten Seite an zog mich die Geschichte in ihren Bann. Der Schreibstil der Autorin ist mit nicht weniger als genial zu bezeichnen. Selten fühlte ich mich in einer Geschichte so wohl und gut aufgehoben wie in dieser. Ich merkte gar nicht, dass es sich um ein Kinderbuch ab 10 handelte, so versunken war ich in dem Buch. Die Story ist spannend und abwechslungsreich und zudem stellenweise gleichzeitig humorvoll und ernst. Sie bietet extrem viel Tiefgang und Stoff zum Nachdenken und berührte mein Herz nicht nur einmal.

Die Autorin beschreibt die Charaktere so echt und nahbar, dass ich das Gefühl bekam ich würde sie selbst kennen, sie wären meine Nachbarn. Scarletts Mutter fand ich dabei - vor allem zu Beginn - echt unmöglich. Ich fragte mich nicht nur einmal, wie man seine Tochter nur so bloßstellen kann. Sie muss doch gemerkt haben, dass die Beziehung zwischen ihnen immer schlechter wurde. Allerdings gefiel es mir gut, wie sich die Beziehung der beiden im Verlauf der Geschichte veränderte und die beiden aneinander wuchsen. 

Scarlett selbst ist eine tolle und starke Persönlichkeit. Auch sie entwickelt sich im Verlauf der Geschichte immer weiter. Ich fand es toll zu beobachten, wie sie aus ihrem Schneckenhaus gekrochen kam und endlich Freunde fand, wieder am Leben teilnahm und den Mut fand mit ihrer Mutter über alles zu reden.

Besonders gut haben mir die Szenen gefallen, in denen es ums Backen geht. Da ging mein Herz auf. Ich konnte förmlich den Geruch der süßen Teilchen riechen und wollte am liebsten in das Buch reinkriechen um eines der Gebäcke zu kosten. Das Rezept für die Zimtteilchen, welches im Buch nachzulesen ist, muss ich auf jeden Fall mal ausprobieren.

Ich kann gar nicht richtig in Worte fassen, wie sehr ich dieses Buch geliebt habe und wie sehr ich mich beim Lesen wohlgefühlt habe. Dass mich ein Kinderbuch so mitnehmen und verzaubern kann, hätte ich vorher niemals gedacht. Ich liebe die Story, die Ideen, die Charaktere, das Cover. Ich liebe einfach alles an diesem Buch und da ich es bisher nur als ebook besitze muss ich es unbedingt noch als Hardcover haben.

Fazit:
Eines meiner Jahreshightlights. Ein wunderbar atmosphärisches Kinderbuch, dass für jung und alt gleichermaßen ein wunderbares Lesevergnügen bietet. Ein Buch zum Wohlfühlen, zum Versinken und vor allem ein Buch für alle Backliebhaber und solche die es werden wollen. Absolute Leseempfehlung!!!


Sonntag, 29. Juli 2018

Rezension "Was vom Sommer übrig ist"

Titel: Was vom Sommer übrig ist
Autor: Tamara Bach
Verlag: Carlsen
ISBN:  978-3-551-58242-3
Seitenzahl: 144
Einbindungsart: Hardcover / Taschenbuch / ebook
Preis: 12,90 € / 6,99 € / 6,99 €
Alter: ab 14

(c) Carlsen
Zum Inhalt:
Louise und Jana. Zwei Mädchen, wie sie unterschiedlicher nicht sein könnten und doch schweißt sie dieser Sommer zusammen, wie kein anderer. Beide sind einsam und beide brauchen eine Freundschaft dringender denn je. Da ist Louise, die dringend Geld für ihren Führerschein braucht und sich dabei ziemlich übernimmt und bald nicht mehr weiß wo ihr der Kopf steht. Und dann ist das Jana, das Mädchen, dessen Eltern seit einem schrecklichen Unglück nur noch im Krankenhaus sind, sogar ihren Geburtstag vergessen und absolut keine Zeit mehr für sie haben. In ihrer Einsamkeit treffen die beiden Mädchen aufeinander und brechen aus, aus einem Kreislauf, der sie beide unglücklich gemacht hat.

Meine Meinung:
Dies ist nicht mein erstes Buch von Tamara Bach. Und doch musste ich mich auch dieses Mal wieder sehr an ihren Schreibstil gewöhnen.

Denn Tamara Bach schreibt sehr ungewöhnlich und auf den ersten Blick auch komisch. Wobei ich je länger ich las, immer zufriedener wurde und den Schreibstil immer mehr genießen konnte. Mit Worten lässt sich dieser Stil nur schwer beschreiben, den muss man selbst gelesen haben um zum Verstehen was ich meine. Doch Tamara Bach schafft es, auf unvergleichliche Art mit Worten, aber auch mit weglassen von Text und Lücken, Bilder in meinem Kopf entstehen zu lassen, die toll sind. Sie braucht so wenige Worte um Gefühle und Atmosphäre zu transportieren, dass ihre Art zu Schreiben echte Kunst ist. Man muss sich zwar eine Weile daran gewöhnen, doch dann bekommt man so viel von ihr, dass man das Buch kaum mehr aus der Hand legen kann und möchte.

Mit Louise und Jana schafft Bach zwei starke Charaktere, die auf der einen Seite komplett unterschiedlich sind, doch auf der anderen Seite auch irgendwie extrem ähnlich. Ich fand es spannend zu verfolgen, wie erst beide getrennt voneinander leben und ihre Leben sich dann eines Tages kreuzen und sie von da an verbunden sind und der anderen helfen, einen Ausweg aus ihrem Trott zu finden.

Das Buch berührte mich emotional und nahm mich mit auf eine Reise, in der ich Gleichgültigkeit und Einsamkeit ausgesetzt war, aber auch die Werte von Freundschaft erlebte und feststellen musste, dass es nicht immer zwei gleiche Charaktere braucht um befreundet zu sein und das ungewöhnliche Konstellationen viel spannender sind.

Gemeinsam mit Louise und Jana erlebte ich wie die Geschichte sich entwickelte und vorwärts ging. Wie die beiden Charaktere sich veränderten und gemeinsam einen Weg aus ihrer Einsamkeit fanden. Mir gefiel die Dynamik dieser Erzählung extrem gut und merkte recht schnell, dass die geringe Anzahl an Seiten genau richtig für diese Geschichte ist. Denn mehr hätte ihr die Dynamik genommen und die Geschichte verwässert.

Fazit:
Eine emotionale und dynamische Geschichte, die vom tollen Schreibstil der Autorin profitiert und Charaktere bietet, die im Verlauf der Geschichte wachsen und sie zu einem ganz besonderen Erlebnis machen.

Mittwoch, 11. Juli 2018

Rezension "Die Schule der magischen Tiere - Licht aus"

Titel: Die Schule der magischen Tiere - Licht aus
Autor: Margit Auer
Verlag: Carlsen
ISBN: 978-3-551-31676-9
Seitenzahl: 224
Einbindungsart: Hardcover / Taschenbuch / ebook
Preis: 9,99 € / 6,99 € / 6,99 €
Alter: ab 8

(c) Carlsen
Meine Meinung:
Dies ist der dritte Band rund um die Schule der magischen Tiere. Mittlerweile habe ich diese Kinderbuchreihe wirklich lieb gewonnen und finde ich sie richtig nett zu lesen. Ich freue mich schon darauf, wenn meine Kinder im entsprechenden Alter sind und diese Reihe selbst lesen können.

Ich finde diese Reihe ist perfekt für das angegebene Alter geeignet und das beweist auch der dritte Band erneut. Auch dieses Mal bekommen wieder neue Kinder ihre magischen Tiere, z.B. Eddy die Fledermaus Eugenia, die mit ihrem Sprachfehler, herrlich niedlich ist. Die vielen Wiederholungen fand ich als Erwachsene etwas anstrengend, doch für Kinder ist das genau richtig so.

"Licht aus" erzählt von einer Übernachtung der Schulklasse in der Schule, die sogar richtig spannend wird. Denn natürlich bleiben die Kinder nachts nicht brav in ihren Betten liegen. Nein, sie stehen auf und machen die Schule unsicher. Sie erkunden den geheimnisvollen und zugleich gruseligen Keller der Schule und geraten dabei sogar in eine recht brenzlige Situation. Zum Glück befreien die magischen Tiere sie daraus und am Ende ist natürlich alles gut. Sogar Helene, die bisher recht zickig war, wird durch ihren magischen Kater plötzlich recht zahm.

Mir gefällt die Idee, dass in jedem Band eine oder zwei neue Kinder die Hauptrolle spielen und näher vorgestellt werden. In diesem Band sind das Eddy und Eugenia. Auch die anderen Kinder, die schon magischen Tiere haben, spielen weiterhin eine Rolle. Und natürlich auch Mortimer Morrison und ihre Lehrerin.

Die lustigen Karikaturen zwischendurch lockern die Geschichte auf. Zudem können sich die Kinder die Tiere so besser vorstellen und haben ein Bild vor Augen, wie die Tiere aussehen. Trotz allem bleibt natürlich genug Spielraum für die eigene Fantasie.

Durch die vielen Wiederholungen und die Erwähungen der Vorkommnisse aus den vorherigen Bänden kann man das Buch auch problemlos ohne Kenntnisse der Vorgänger lesen, was ich ebenfalls schön finde. Jedes Kind und jedes Tier wird zudem zu Beginn nochmal vorgestellt, was Gedächtnislücken füllen kann.

Fazit:
Auch der dritte Band dieser wunderbaren Reihe ist einfach nur klasse zum Lesen, sehr kindgerecht und perfekt auf die Zielgruppe abgestimmt.