Freitag, 28. Januar 2011

Rezension "Winterspiele"

Titel: Winterspiele
Autor: Jean-Claude Mourlevat
Verlag:cbt
Seitenzahl: 410
ISBN: 9783570304556
Einbindungsart: Broschiert
Preis: 12, 99 €
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Grausame Gladiatorenkämpfe, ein Regime, dass daran Spaß hat und vier Jugendliche, die dieses Regime stürzen wollen.
  
 Zum Inhalt: 
"Winterspiele" erzählt die Geschichte der Jugendlichen Bartolomeo, Milena, Milos und  Helena. Diese vier befinden sich am Anfang der Geschichte jeweils auf einem Internat für Mädchen und auf einem für Jungen. Hier herrschen strenge Regeln und die Jugendlichen dürfen das Internat nur verlassen, wenn sie ihre sogenannten Trösterinnen aufsuchen. Trösterinnen sind Frauen mittleren Alters, zu denen die Jugendlichen mit ihren Sorgen kommen können. Denn alle, die auf dem Internat sind, sind Waisen.  Als Helena eines Tages ihre Trösterin Paula aufsuchen will, begleitet Milena sie. Auf dem Weg dorthin treffen sie Milos und Bartolomeo. Während Helena ihre Zeit damit verbringt ihre Sorgen und Nöte bei Paula abzuladen beschließen Bartolomeo und Milena zusammen zu fliehen, denn sie leiden unter ihren Herrschern, den Phalanx, und wollen dieser Diktatur ein Ende bereiten. Kurze Zeit später folgen ihnen Helena und Milos um sie vor den Jägern der Phalanx zu schützen. Dabei wird Milos geschnappt und muss als Strafe in einer Arena Gladiatorenkämpfe austragen. Helena macht sich große Sorgen um ihn, denn sie weiß nicht, ob er das überleben wird. Währenddessen wächst der Widerstand der Bevölkerung gegen die Phalanx immer weiter und ist nicht mehr aufzuhalten.
  
Meine Meinung:
Zuerst einmal muss ich sagen, dass ich um das Buch schon eine ganze Weile skeptisch herumgeschlichen bin und mich nicht entschließen konnte es zu lesen. Ich hatte Angst, dass es mich zu sehr an "Die Tribute von Panem" erinnern würde und nur ein schlechter Abklatsch sei, denn der Klappentext klingt sehr ähnlich. Irgendwann wollte ich es aber genau wissen und habe bei cbt nach einem Leseexemplar gefragt. Frau Göring hat es mir freundlicherweise zukommen lassen und ich war gespannt, was mich erwartet.  Schon nach ein paar Seiten wird klar, dass das Buch durchaus Ähnlichkeiten mit "Die Tribute von Panem" hat, aber das haben auch andere Titel wie zum Beispiel "Cassia & Ky" und das muss ja nicht unbedingt etwas schlechtes heißen. Denn trotz aller Ähnlichkeit merkt man sehr schnell, dass es hier auch einige andere, neue Aspekte gibt, die mich oft auch überrascht und schockiert haben. 

Von Anfang an war ich sehr gut in der Geschichten drinnen und habe mich schnell mit den vier Protagonisten angefreundet. Ich konnte mir richtig gut vorstellen, wie die vier sich fühlen und was sie gerade durchmachen müssen. Ich habe mitgefiebert und soooo gehofft, dass die Geschichte für alle gut ausgeht. Als Helena feststellt, dass Milos von den Jägern der Phalanax erwischt wurde war ihre Verzweiflung für mich praktisch greifbar, auch die Bedrückung die Milos während der Zeit, in der er für die Kämpfe vorbereitet wurde, gespürt hat, hat sich teilweise auf mich übertragen. Die Pferdemenschen fande ich klasse und eine super Idee.

Hinten auf dem Buch steht "Ein Buch von orwellscher Kraft" und ich finde diesen Ausdruck sehr passend. Wie "Die Tribute von Panem" hat auch dieses Buch eine Aussage, eine Botschaft. Es gibt so viele flache und langweilige Geschichten, da finde ich Bücher einfach toll, die etwas vermitteln wollen. Diese Art von Büchern will uns Menschen auch dazu anregen mal über unsere Gesellschaft nachzudenken. Diese Brutalisierung und Verrohung, die immer mehr stattfindet, diese ganzen Schrottsendungen wie BigBrother, Dschungelcamp & Co., muss das wirklich sein? Müssen wir wirklich überall zuschauen und muss alles wirklich immer ekeliger und grausamer werden? Ja, auch ich habe schon in "Das Dschungelcamp" reingeschaut und teilweise finde ich so was auch ganz lustig, aber wie weit ist es denn mit unserer Gesellschaft gekommen, wenn wir nur noch von so etwas unterhalten werden, nur noch solche Dinge brauchen um Spaß zu haben. Ich finde "Winterspiele" wie auch "Panem" vermitteln wirklich gut, wie die Grundsätze unsere Gesellschaft immer mehr ins Wanken geraten und wir uns immer mehr auch zum Negativen verändern. In "Winterspiele" ist die freie Meinungsäußerung komplett abgestorben, keiner sagt mehr was er denkt, alle haben Angst vor dem Regime. Das erinnert ja auch an eine Zeit in Deutschland, an die niemand so gerne zurückdenken will.

Das Buch ist spannend zu lesen und ich wollte natürlich immer wissen, wie es weitergeht. Milos Schicksal und natürlich auch das Schicksal der ganzen Bevölkerung haben mich nicht losgelassen und ich wollte unbedingt wissen, ob das Gute am Ende gewinnt.

Der Titel passt sehr gut zu der Geschichte und auch das Cover finde ich gut gelungen. 

*Achtung Spoiler*
Das einzige was mich vielleicht ein bisschen gestört hat, war das Ende. Es war zwar nicht wirklich offen, aber doch etwas verwirrend. Der Epilog spielt einige Jahre nach dem Aufstand der Bevölkerung und die Protagonisten von damals sind nun erwachsen. Leider erfährt man nicht mehr wirklich, was mit ihnen nach dem Ende des schrecklichen Regimes der Phalanx passiert. Man erfährt lediglich, dass Milena und Bartolomeo für immer zusammenbleiben und das Helena plötzlich ein Kind hat. Man erfährt aber weder von wem sie dieses Kind hat, noch ob sie verheiratet oder sonstiges ist. Das finde ich ein bisschen schade. Es wäre echt schön gewesen, da noch ein bisschen mehr zu erfahren, um sich so ganz entspannt von den Protagonisten verabschieden zu können.
*Spoiler Ende* 
  
Fazit:
Ein spannendes Buch, dass eine Botschaft zu vermitteln hat und wirklich sehr gut zu lesen ist.

Ich bedanke mich ganz herzlich bei Katharina Göring von RandomHouse und cbt.
 

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