Samstag, 11. Mai 2019

Rezension "Gelateria Paradiso"

Titel: Gelateria Paradiso
Autor: Stefanie Gerstenberger 
VerlagDiana
Seitenzahl: 448
ISBN: 978-3-453-29217-8
Einbindungsart: Klappenbroschur
Preis: 10,99 €

(c) Diana
Zum Inhalt:
Zwei Frauen, die unterschiedlicher nicht sein könnten, die aber mehr verbindet als sie zunächst ahnen. Als Francesca und Susanne das erste Mal aufeinander treffen ist ihnen nicht klar, dass dieses Treffen eine Welle von Ereignissen lostritt, die nicht mehr aufzuhalten sind. Denn durch einen Zufall erfahren die beiden, dass sie den selben Vater haben. Susanne, die bei Adoptiveltern aufwuchs, möchte nichts lieber als ihre Familie kennenlernen. Francesca jedoch hat ganz andere Pläne. Und so machen die beiden sich unabhängig voneinander auf den Weg nach Italien zu ihrem Vater und begeben sich auf eine Reise, die sie nie mehr vergessen werden. 

Meine Meinung:
Ein Buch in dem es um Italien und Eis geht? "Yes" dachte ich, genau mein Ding. Leider konnte mich die Geschichte aber nicht vollständig überzeugen. Warum werde ich euch hier erklären.

Der Schreibstil der Autorin ist recht angenehm und gut zu lesen. Sie beschreibt die Umgebung und die Geschehnisse gut und bildhaft, sodass ich mir alles vorstellen konnte. Der Einstieg in die Geschichte fiel mir durch den gut zu lesenden Schreibstil recht leicht. Da ich in letzter Zeit jedoch einige Bücher gelesen habe, die literarisch herausragend waren, fiel dieses dagegen trotz des angenehmen Stils etwas ab, was aber nicht nennenswert ins Gewicht fiel. 

Doch dann lernte ich die Charaktere näher kennen und war zum ersten Mal etwas enttäuscht. Susanne ist ein ganz schöner Charakter. Eine sympathische Frau in den besten Jahren, die keine schöne Kindheit hatte, aber das beste aus ihrem Leben gemacht hat. Und dann ist da noch Francesca. Mit der konnte ich mich leider so gar nicht anfreunden, sie machte mich regelrecht aggressiv. Seit vielen Jahrzehnten ist sie mit einem Mann verheiratet und dieser weiß absolut nichts von ihrer Vergangenheit. Sie hat ihm alles verschwiegen, ja ihn sogar belogen. Auch Francesca hatte keine schöne Kindheit, ihrem Mann jedoch nichts davon zu erzählen, nur weil sie alles vergessen will, fand ich schon ein starkes Stück. Auch sonst weiß ihr Mann gefühlt gar nichts über sie. Auch im weiteren Verlauf der Geschichte wurde sie mir leider nicht wirklich sympathischer, denn auch ihrer Halbschwester gegenüber verhält sie sich nicht gerade nett.

Ich verstehe durchaus, dass die Autorin zwei gegensätzliche Charaktere schaffen wollte. Dies ist ihr definitiv auch gelungen. Nur entwickelt sich Francesca für mich zu wenig, bzw. zu wenig glaubwürdig. Sie verändert sich schon zum Ende hin, aber ich hatte immer das Gefühl, dass sie das nur gezwungenermaßen tut, dass ihr kein anderer Ausweg bleibt. Auch mit dem Lügen macht sie bis zum Ende (wenn auch im kleinen Stil) weiter. Das fand ich wirklich schade und es klingt vielleicht auch ein wenig hart. Aber ich merke immer wieder, dass Protagonisten unheimlich viel für eine Geschichte bedeuten. Bei mir ist die Stimmung gleich schon mal auf Halbmast, wenn ich einen Protagonisten nicht mag. Und das war hier leider der Fall, was es mir schwerer machte der Geschichte eine Chance zu geben.

Dafür fand ich die Idee der Handlung wirklich schön. Die Eisdiele und das Eis hätte für meinen Geschmack noch etwas mehr zur Geltung kommen können. Ansonsten war die Idee aber klasse. Vor allem die Mischung aus Vergangenheit und Gegenwart war echt gelungen. Als Leser erfährt man einiges über die italienischen Gastarbeiter und die Zeit der 60er Jahre was ich richtig spannend fand. Die Kapitel der Vergangenheit gefielen mir im Verlauf der Geschichte sogar besser, als die der Gegenwart. Vor allem weil diese sehr hilfreich dafür sind, die komplette Geschichte zu verstehen. Sie wird dadurch rund, was das ganze richtig gelungen macht.

Alles in allem lässt mich diese Geschichte recht zwiegespalten zurück. Ich habe das Buch durchaus gerne gelesen, was vor allem dem angenehmen Schreibstil geschuldet ist. Leider muss ich aufgrund der Charaktere einiges abziehen, da ich vor allem Francesca doch sehr anstregend fand. Die grundsätzliche Idee ist toll, hätte aber noch mehr ausgearbeitet werden. Aufgrund des Titels "Gelateria Paradiso" hatte ich mehr Eisdiele erwartete und mir auch gewünscht, was eigentlich nur am Ende wirklich der Fall ist.

Fazit:
Ein Buches welches für mich in der Summe recht mittelmäßig ist. Ganz guter Schreibstil, eine schöne Grundidee, jedoch etwas zu wenig ausgefeilt und extrem nervige und anstrengende Charaktere nehmen dem Buch leider das Besondere, auch wenn ich es recht gerne gelesen habe.



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